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Kommentar
ARD-Porträt: Kanzler Kurz als Traumschiff-Kapitän

Es kann keinen Zweifel mehr geben: Sebastian Kurz ist der "Florian Silbereisen der Politik". Alle lieben ihn – auch der ARD-Studioleiter in Wien. Im TV-Porträt kann er seine Faszination nicht verbergen.

Text: W&V Redaktion

30. Januar 2019

Sebastian Kurz im ARD-Porträt: Der österreichische Bundeskanzler sieht sich als "Überzeugungstäter".
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Fast 20 Jahre lang war Michael Mandlik ARD-Studioleiter in Rom. Während der Amtszeit von Papst Benedikt XVI. hatte er seinen Sitz im Studio Vatikan. Über den Pontifex drehte er einst das Porträt "Der Papst privat – Wie man ihn noch niemals sah".

Das 45-minütige TV-Porträt über den österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz, das am 28. Januar direkt im Anschluss an die ARD-Tagesthemen ausgestrahlt wurde, kann es mit Mandliks früheren Werken in jederlei Hinsicht aufnehmen: Der Polit-Star vom Wiener Ballhausplatz hätte sich keine glänzendere Beweihräucherung wünschen können. Das Ergebnis hat mutmaßlich auch seine eigenen Vorstellungen weit übertroffen.

Selten war der Titel einer Sendung so irreführend wie derjenige dieser "Story im Ersten" am Montagabend:

"Auf schmalem Grat – Der riskante Politkurs des Sebastian Kurz"

Die (ganz) wenigen kritischen Stimmen, die in dem Film vorkommen, sind eher schmückendes Beiwerk. Mandlik kann seine Faszination, die er für den feschen Polit-Überflieger übrig hat, an keiner einzigen Stelle verbergen. Ich kann mich – von den Päpsten und den Windsors einmal abgesehen – nicht erinnern, jemals so etwas in der ARD gesehen zu haben.

Wie kommt so etwas zustande? Möglicherweise durch mangelnde Distanz, ja. Aber im Fall von Kurz kommt zweifellos auch dessen unglaubliche Versiertheit im Umgang mit Medien dazu, welche er gleich reihenweise um seinen Finger wickelt.

"Er ist der erste österreichische Bundeskanzler überhaupt, der in Deutschland eine innenpolitische Größe ist und als Innenpolitiker hierzulande Einfluss ausübt. Nicht zuletzt durch eine gezielte Interviewpolitik in den deutschen Medien, die ihm jederzeit offenstehen", schrieb die "Welt" schon vor einem Jahr über den Shootingstar aus Wien.

Für viele Konservative in Deutschland ist Kurz das große Vorbild

Für die Rechten und die Konservativen hierzulande ist er das große Vorbild ("Die Alternative zu Merkel", Die Welt). Vielen gefällt es offenbar, wie der smarte ÖVP-Kanzler die unappetitlichen Eskapaden seines rechten Koalitionspartners FPÖ mehr oder weniger hinwegschweigt. Andere finden es toll, dass er die österreichischen Familien um bis zu 1500 Euro pro Kind entlastet.

Seit einiger Zeit streiten sich die Gelehrten ja leidenschaftlich über gute und schlechte Populisten. Doch diese Diskussion ist natürlich nicht ganz ungefährlich.

Sicher ist nur eines: Papst-Freund Michael Mandlik ist auf einen hereingefallen. Oder, wie der Wiener "Standard" ziemlich treffend schreibt: "Wer Sebastian Kurz porträtiert, bewegt sich selbst Auf schmalem Grat."

Für alle Sebastian-Kurz-Fans gibt's hier das Porträt in voller Länge:

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