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KI für Sprachen
DeepL: Wie ein deutsches Start-up Google aussticht

DeepL übersetzt dreimal besser als der Google Translator. Wie das deutsche Start-up das schafft und wie perfekt Übersetzungen in Zukunft sein werden, erzählt CEO Jaroslaw Kutylowski.

Text: W&V Redaktion

13. September 2019

CEO Jaroslaw Kutylowski hätte gerne "alle Sprachen der Welt" bei DeepL
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Wer regelmäßig Mails, Briefe oder Dokumente übersetzen muss, kommt an DeepL kaum vorbei. Das deutsche Start-up etabliert sich am Übersetzungsmarkt immer mehr und macht damit sogar dem scheinbar übermächtigen Suchmaschinenkonzern Google Konkurrenz. Die kostenlose Software aus Köln ermöglicht verhältnismäßig gute, automatisierte Übersetzungen – die die Deutsch-Übersetzungen des Google Translator oftmals um Längen schlagen.

Das deutsche Tool hat seit seinem Start 2017 viele Fans gewonnen. Jetzt gibt es DeepL auch als Software für Windows und macOS. Mit einer neuen App kann die KI-Übersetzung sogar ins Betriebssystem integriert werden. Das bedeutet, dass man im Browser keinen neuen Tab mehr öffnen und Textpassagen auf der DeepL-Website einfügen muss, um eine Übersetzung zu erhalten.

Man markiert einfach einen Text und drückt anschließend zweimal beispielsweise Strg+c. Innerhalb von Sekunden zeigt die App die Übersetzung an. Wie das Jungunternehmen es schafft, Google zu übertrumpfen und wie perfekt Übersetzungen in Zukunft sein werden – darüber haben wir mit CEO Jaroslaw Kutylowski gesprochen.

Herr Kutylowski, was war der Anlass, diese neue Anwendung zu starten?

Wir haben uns angeschaut, wie unsere Nutzer übersetzen, und haben daraufhin ein Werkzeug entwickelt, das diesen Prozess vereinfacht. Anstatt auf unsere Website gehen zu müssen, um Übersetzungen zu erhalten, können Nutzer DeepL jetzt in jedem Programm und jeder Anwendung auf ihrem Computer verwenden. 

Die Qualität der Übersetzungen wird sehr gelobt. DeepL hat in vielen Vergleichstests gewonnen. So bestätigen unabhängige Experten, dass Ihre Software dreimal besser übersetzt als das Programm des US-Giganten Google. Wie haben Sie das geschafft?

Unsere Forscher arbeiten auf höchstem Niveau und haben ein eigenes System entwickelt, das einige der neuesten Entwicklungen in diesem Bereich mit ihren eigenen Erkenntnissen kombiniert. Zusammen mit hochwertigen Trainingsmaterialien, die wir sorgfältig zusammengestellt haben, ergibt dies eine hervorragende Übersetzungsqualität. 

Wird die KI irgendwann soweit sein, dass sie zu 100 Prozent perfekt übersetzt?

Ich glaube, dass es keine einfache Antwort zu dieser Frage gibt. Es gibt schon viele Bespiele von Texten, die DeepL 100 Prozent perfekt übersetzt hat. In Zukunft wird DeepL noch komplexere Texte auch genau so gut übersetzen können. Ich glaube, künftig wird es aber so gut übersetzen können, dass Sie Fehler kaum noch werden finden können. 

Hin und wieder passiert es doch. Die künstliche Intelligenz übersetzt den Ausdruck "einen Korb kassieren" mit "to collect a basket". Der Engländer versteht da nur Bahnhof. Tut sich KI mit dem Kontext eines Satzes schwer?

Diese Formulierung alleinstehend ist auch nicht übersetzbar, da fehlt auch für einen menschlichen Übersetzer die Information, worum es geht. Und auch ist "einen Korb kassieren" nicht wirklich üblich, man sagt ja eher "einen Korb bekommen". Der Satz "Ludwig bat Maria, ihn zu heiraten, und hat einen Korb bekommen” wird dann zu "Ludwig asked Maria to marry him and was turned down” - eine perfekt kontextgerechte Übersetzung. Nicht alle Übersetzungsdienste können das schaffen.

Sind weitere Sprachen oder auch Features geplant?

Natürlich. Idealerweise hätten wir gern alle Sprachen der Welt bei DeepL. Soweit sind wir noch nicht. Aber wir arbeiten täglich daran, neue Sprachen mit der gleichen Übersetzungsqualität hinzuzufügen. 

Müssen wir künftig keine Sprachen mehr lernen?

Nein, Sprachen lernen wird für immer eine Bereicherung des Lebens bleiben. Wie die meisten mehrsprachigen Menschen bestätigen können, führt die Auseinandersetzung mit anderen Sprachen und Kulturen oft zu einigen der aufregendsten Erfahrungen des Lebens. Technologien, die die Interaktion zwischen Menschen mit unterschiedlichen Sprachen erleichtern, können solche Erfahrungen nicht ersetzen. Aber sie können sie erleichtern und vervielfachen.

Worin genau besteht das Geschäftsmodell?

Wir haben einen kostenpflichtigen Premium-Service, DeepL Pro. Dieser bietet zusätzliche Funktionalitäten, die im freien Dienst nicht verfügbar sind. 

Wer sind Ihre Kunden?

Unsere Kunden bestehen aus Unternehmen aller Arten und Größen. Auch professionelle Übersetzer gehören zu unserem Kundenstamm. Die Sache ist die: Übersetzungen sind für jedermann wichtig. Da ist es egal, ob man im Automobil- oder Pharma-Bereich arbeitet – DeepL hilft allen Menschen, die mit Sprachen arbeiten. 

Sie sind in den letzten beiden Jahren sehr stark gewachsen. Wo wollen Sie in zwei Jahren stehen?

Seit Anfang des Jahres hat sich die Größe unseres Teams verdoppelt. Wir erwarten, dass wir weiter stark wachsen werden, denn sowohl die Anzahl unserer Nutzer als auch die Menge an Kunden entwickelt sich rapide. Wir haben verschiedene Ideen für weitere Produkte – sowohl innerhalb des Übersetzers als auch außerhalb. Da muss unsere Mannschaft mitwachsen, damit wir diese realisieren können.

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