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Kartellamt vs. Facebook
Die vergebliche Zähmung des Datenkraken

Das Kartellamt versucht, den Datenkraken Facebook zu zähmen. Der Vorstoß der Behörde zielt zwar in die richtige Richtung, wird aber nicht viel bewirken.

Text: W&V Redaktion

7. Februar 2019

W&V-Autor Thomas Nötting.
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Jetzt ist es amtlich. Das Bundeskartellamt hält den Social-Media-Konzerns Facebook für marktbeherrschend und will dessen Aktivitäten beim Sammeln von Daten beschneiden.

Der blaue Brief aus Bonn wird in der Hamburger Facebook-Zentrale schon länger erwartet – bereits vor über einem Jahr hatte die Wett­bewerbsbehörde erklärt, dass sie Facebooks Rolle im Onlinewerbemarkt kritisch sieht.

Jetzt machen die Kartellwächter ernst und wollen dem Konzern das Sammeln von Nutzerdaten außerhalb von Facebook untersagen. Denn das Social Network verarbeitet auch jene digitalen Spuren, welche Nutzer auf Partnerseiten oder auf den Facebook-Töchtern ­Instagram und Whatsapp hinterlassen. Den Menschen sei dabei aber nicht wirklich bewusst, dass sie beim Surfen den Datenkraken mit dem blauen Daumen füttern, so die Kritik.

Die Sanktionen gegen Facebook sind richtig. Schon viel zu lange gründen die globalen Digitalriesen wie Google und der Social-­Media-Konzern aus Menlo Park ihre Expan­sion darauf, nach eigenen Regeln zu spielen. Ernsthaft ins Stottern wird der Vorstoß des deutschen Kartellamts die gut geölte Erfolgsmaschine aber nicht bringen. Das Verfahren wird sich noch lange hinziehen. Am Ende wird sich in der Praxis wahrscheinlich nicht viel verändern – außer ein paar Sätzen in Facebooks allgemeinen Geschäftsbedingungen.

Die Werbekunden könnten etwas bewegen

Das Problem: Die sogenannten GAFA-Kon­zerne spielen auf vielen Feldern nach selbst gemachten Regeln. Ihre Marktmacht wirklich wirksam zu bekämpfen wäre ein Vielfrontenkrieg. Die Waffen der nationalen Aufsichts­behörden reichen dafür aber nicht weit genug. Das zeigt der aktuelle Fall. Die Kartell-Kritik richtet sich zentral gegen Facebooks mangelhaftes Datenschutz-Gebaren. Dafür ist die Bonner Behörde eigentlich gar nicht zuständig.

Die Einzigen, die wirklich wirksam etwas verändern könnten, wären die Werbekunden. Geld verdient Facebook schließlich zu 100 Prozent mit Werbung. Erst als große Kunden wie Procter & Gamble ihren Geldhahn zumindest ein wenig zudrehten, bewegte sich tatsächlich etwas in den Walled Gardens. Facebook gewährt inzwischen ein wenig mehr Einblicke hinter die Schutzmauer, etwa bei den Themen Brand-Safety und unabhängige Werbe­wirkungsmessung. Trotzdem bewegt sich der Riese immer nur so weit, wie er muss.

Intransparenz bleibt das zentrale Geschäftsprinzip, sowohl gegenüber Usern wie gegenüber Werbekunden. Die Verbände OWM und ANA kritisieren das, aber ihre Mitglieder geben Jahr für Jahr trotzdem mehr Millionen für Facebooks Targeting aus. Solange das so bleibt, wird auch ein blauer Brief des Bundeskartellamts nicht viel bewirken.

Der Beitrag stammt aus der aktuellen Ausgabe von W&V.

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