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Meinung
Instagram macht mich achtsamer

Social-Media-Detox in der Fastenzeit? Auf keinen Fall, findet W&V-Redakteurin Belinda Duvinage. Denn vor allem Instagram hilft ihr dabei, besonderen Momenten mehr Beachtung zu schenken.

Text: W&V Redaktion

13. Februar 2019

Besondere Momente festhalten, das macht Belinda Duvinage vor allem auch mit Instagram.
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Wenn ich schlechte Laune habe, hilft mir Instagram. Klingt komisch? Ist aber mein Ernst. Zugegeben, ich habe diese Plattform erst spät für mich entdeckt. Noch eines von diesen überflüssigen Dingen, die meine Aufmerksamkeit und die gefühlt viel zu wenig verfügbare Zeit in Anspruch nehmen neben Kindern, Mann, Job, habe ich gedacht. Wieder eine Sache, die mich zum ständigen Vergleich verführt. Und, nur mal "weil man's halt so macht" und ein klitzekleines bisschen aus Neugier vielleicht, einen Pseudo-Account angelegt.

Der Post ging an mich

Mein erstes Bild habe ich am 4. September 2017 gepostet, aus Kroatien, von der fantastisch schönen Insel Korcula. Und warum? Weil ich in diesem Moment ganz besonders glücklich war. Und ihn festhalten wollte. Nicht nur wahllos im Wust meiner unsortierten Handy-Bilder eben, sondern irgendwie offizieller. Der Post ging einfach nur an mich. Und so ist das bis heute. 56 Beiträge sind es mittlerweile. 3,2 pro Monat also, nicht besonders viele – aber für mich genug.

Der erste Post kam aus Korcula.

Denn es bedeutet: Im Schnitt erlebe ich jeden Monat mindestens drei besonders schöne oder zumindest außergewöhnliche Momente. Momente, die ich intensiv und besonders bewusst wahrgenommen habe, mit denen ich mich beim Betrachten des Fotos bis heute verbunden fühle. Für diese Momente muss nicht um die Welt reisen oder ein Mega-Event besuchen, es sind ganz plötzlich die scheinbar unspektakulären Dinge, die mir wieder auffallen, bei denen ich bewusst innehalte, sie in einem anderen Licht betrachte.

Wintergraue Gedanken

Für mich bietet Instagram also tatsächlich eine Möglichkeit, achtsamer zu sein, einen Blick zurück zu werfen, wenn mir gerade mal die Bodenhaftung abhandenkommt und mich wintergraue Gedanken packen. Instagram hilft mir dabei, die Perspektive zu verändern. Und wahrzunehmen, wie viele schöne Dinge ich schon erlebt habe oder gerade erlebe. Natürlich freue ich mich, wenn ich positive Rückmeldungen für ein neues Bild bekomme, das ich gepostet habe. Aber hey, wenn nicht, ganz ehrlich: Ich kann es gut aushalten.

Instagram ist leiser als andere Plattformen, sanfter irgendwie, und lässt mich kreativer werden.

Klar, die Varianten, das Netzwerk zu nutzen, sind vielfältig: als Marketing-Tool, News-Channel, Kontaktbörse.
Mein Instagram ist meine Tagebuch-Pinnwand. Es fühlt sich intimer an als andere Netzwerke. Ich wähle aus, wen ich teilhaben lassen möchte, und ignoriere eine Anfrage auch mal ganz unverhohlen. Natürlich teile ich nicht meine geheimsten Gedanken, aber ehrlicherweise habe ich für Tagebuchschreiben, zu Pubertätszeiten manisch betrieben, einfach keine Zeit – und im Moment auch gar keine Lust.

Wenn jetzt bald zur Fastenzeit also wieder Entschleunigung und Achtsamkeit die Titel zieren, dann werde ich ganz bestimmt nicht mit Social-Media-Detox um die Ecke kommen, sondern höchstens, und auch nur ganz vielleicht, auf Schokolade verzichten. Und lieber weiter schöne Momente sammeln. Wenn die dann noch ein paar Likes bekommen, gern. Geteilte Freude ist ja bekanntlich doppelte Freude.

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