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Nico Rose
Wie lassen sich Egoisten zu Teamplayern machen?

Kaum Antrieb und wenig Durchhaltevermögen: Damit nervte Gisèle ihre Mitspieler im Dschungelcamp. Auch am Arbeitsplatz kann es deshalb zu Spannungen kommen. Aber es gibt Lösungen.

Text: W&V Redaktion

24. Januar 2019

Am besten gemeinsam überlegen, wer welche Aufgabe macht.
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Vorweg: Das Dschungelcamp ist eine sehr artifizielle Situation, und mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass dort vieles geskriptet ist. Die Teilnehmer werden sicherlich angewiesen, konkret Rollen einzunehmen, um gezielt Spannung(en) zu erzeugen.

Was nun die normale Arbeitswelt betrifft: Hier ist es zunächst sinnvoll, das Konzept der Motivation von dem der Volition zu trennen. Etwas vereinfacht gesagt: Motivation ist das, was wir erleben, wenn wir etwas wollen. Volition ist jene Form von Willenskraft, die wir aufbringen, wenn wir etwas wollen wollen, obwohl wir es im Grunde nicht wollen. Wenn ich meinen beiden Kindern sage, dass sie in kürzester Zeit spielenderweise ihre Zimmer verwüsten sollen – dann legen die unvermittelt und sehr erfolgreich los. Das ist Motivation. Wenn ich sie im Anschluss bitte, das Chaos in ebenso kurzer Zeit wieder zu beseitigen, dann kostet sie das mit großer Wahrscheinlichkeit Überwindung, aber irgendwann werden sie es tun, mit einem bisschen gutem Zureden. Das ist Volition.

Ich habe fast mein ganzes Berufsleben mit hoch qualifizierten und intrinsisch für Arbeit motivierten Menschen in großen Organisationen gearbeitet. Wenn jemand in so einem Kontext nicht in die Pötte kommt, dann gehe ich davon aus, dass es im Kern an einem oder mehreren dieser drei Punkte liegt:

Der Person fehlt wichtiges Wissen, um die Aufgabe anzugehen. Dann ist es meine Aufgabe als Chef, dieses Wissen zu beschaffen beziehungsweise dem Mitarbeiter zu zeigen, wie er es sich selbst beschaffen kann.

Die Person hat wegen irgendetwas Sorge oder Angst. Sie weiß also im Prinzip, was zu tun ist, befürchtet aber negative Konsequenzen. So etwas kommt in großen Organisationen, die immer auch politisch geprägt sind, durchaus vor, auch wenn es nicht wünschenswert ist. Dann ist es meine Aufgabe als Chef, die politischen Fronten zu klären und nach Möglichkeit aus dem Spiel zu nehmen – oder aber, dem Mitarbeiter den Rücken zu stärken, auf dass er trotzdem losmarschiert.

Wenn das auch nicht der Fall ist, dann gehe ich davon aus, dass die Person einfach keinen Bock auf die anstehende Aufgabe hat, dass sie also keine Freude dabei empfindet, dass die Aufgabe nicht im Bereich ihrer Stärken liegt usw. Manchmal hilft es als Chef dann, die Mitarbeiter zu bitten, den Hintern zusammenzukneifen und es trotzdem zu tun – man appelliert also an die Volition. Viel cleverer finde ich es allerdings, gemeinsam mit dem Mitarbeiter und eventuell dem gesamten Team zu überlegen, ob die betreffende Person die Aufgabe überhaupt erledigen muss. Vielleicht kann man die Sache an jemand anderen im Team geben, der mehr Freude daran hat? Vielleicht kann man das Ganze intelligent outsourcen, weil der Mitarbeiter in der Zeit produktiver an etwas anderem arbeiten kann? Vielleicht kann die Aufgabe auch einfach wegfallen? In großen Organisationen hilft es nicht selten, eine Sache auch mal sechs Wochen zur Seite zu legen – und dann wurde es bereits erledigt oder ist einfach nicht mehr wichtig.

Dieses kreative Jonglieren mit den Arbeitsaufgaben nennt man im Englischen Job Crafting. Es geht verkürzt darum, aus dem Job, den man hat, jenen zu machen, den man gerne hätte – ohne die eigentliche Rolle zu verlassen. In einem gewissen Umfang machen wir das sowieso ständig. Job Crafting macht daraus einen bewussten und für alle transparenten Prozess. Ich erläutere das auch in meinem demnächst erscheinenden Buch Arbeit besser machen. Manchmal gibt's natürlich auch Probleme abseits der Arbeit, die sich auf das berufliche Leistungsvermögen auswirken, aber solche Sonderfälle möchte ich hier außen vor lassen.

Zum Thema Motivation lesen Sie auch das Interview "Miracle Morning: Was uns besser motiviert" hier bei W&V.

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