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Startup Creasphere
"Wir wollen die beste Digital-Health-Plattform der Welt"

Das Ökosystem für Digital Health, die Drehscheibe für Gesundheitswesen in Europa. Das Innovationsprogramm Startup Creasphere von Roche und Plug and Play verspricht viel. Aber das Konzept könnte aufgehen. Die Ergebnisse, die die Start-ups nun präsentierten, klingen vielversprechend.

Text: W&V Redaktion

24. Januar 2019

Jochen Hurlebaus, Head of Innovation and IP Management bei Roche Diagnostics.
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Digital Health gilt als eine der komplexesten Industrien überhaupt: Um qualifizierte Lösungen zu entwickeln, benötigt es hoch qualifizierte Wissenschaft, technische Erfahrung im Bereich Geräteentwicklung und Software. Medizinisches Personal und Patienten, die offen für neue Lösungen sind. Versicherungen, die bereit sind, neue Bezahlmodelle auszuprobieren, und vor allem: Unternehmen, die endlich in die Digitalisierung investieren – obgleich sie sie fast verschlafen haben.

Zu lange funktionierten die herkömmlichen Geschäftsmodelle gut, lukrativ sind sie noch immer. Die Notwendigkeit, sich der Transformation auch im Gesundheitswesen zu stellen, schien schlicht nicht gegeben. Aber: Der Konkurrenzdruck wächst. Deutschland gilt mit den USA, Frankreich und der Schweiz noch als einer der attraktivsten Standorte für Pharmaforschung. Doch Länder wie China, Singapur und Südkorea schließen auf. Und: Die Patienten fordern mehr Innovation. Sie möchten ihr Gesundheitsmanagement zunehmend selbst in die Hand nehmen, und das so digital, wie sie es aus anderen Lebensbereichen längst gewohnt sind.

Kooperationen sind sinnvoll

Während also die meisten Branchen längst die Dienstleistungen und Infrastrukturen von Accelerators nutzen, ist diese Entwicklung erst jetzt im Gesundheitsbereich angekommen. Weil die Pharmaunternehmen oft nicht über ausreichend Erfahrung im eigenen Haus verfügen, sind Kooperationen mit Digitalspezialisten und Start-ups durchaus sinnvoll. Roche hat sich dafür den renommierten Accelerator Plug and Play als Partner ausgesucht, gemeinsam haben sie 2018 das Innovationsprogramm Startup Creasphere gestartet.

Die Ergebnisse, die die sieben ausgewählten Startups am Mittwoch bei Expo Day im neues Headquarter von Plug and Play in München einem ausgewählten Fachpublikum präsentieren, klingen vielversprechend. Auf Basis der Pitches wird in den kommenden Wochen entschieden, welche Use-Cases und Technologien eine Zukunft haben und bei der Transformation des Gesundheitswesens tatsächlich eine Rolle spielen könnten.

Dr. Oliver Freichel (Sanofi), Dr. Frank Desiere (Roche), Lars Grieten (FibriCheck), Neda Amidi (Plug and Play)

Das Panel ist hochkarätig besetzt und sich einig darüber, dass Digital Health enormes Potenzial bietet. Plug and Play-CEO Saeed Amidi eröffnet die Veranstaltung mit den Worten: "We want to have the best digital health platform in the world, at least in Europe", und Frank Dosiere, Senior Vice President und Head of Digital Health Solutions Roche Diagnostics, ist überzeugt, dass Digital-Health-Anwendungen das Pharmageschäft grundlegend verändert haben: "Es geht nicht mehr allein um Innovationen, sondern um neue Wege des Arbeitens." Schon nach kurzer Laufzeit habe sich durch Startup Creasphere auch innerhalb des Unternehmens Roche bereits das Mindset verändert: "Wir sind alle offener, denken in andere Richtungen. Es fühlt sich tatsächlich nach Silicon Valley an." Plug and Play sei dabei der perfekte Partner.

Saeed Amidi, CEO Plug and Play

Eine globale Marke

"Plug and Play hat eine enorme Erfahrung darin, wie man Accelerator-Programme etabliert und organisiert, hat eine globale Marke und damit auch eine große Anziehungskraft für die besten Start-ups der Welt, die wir ja im Programm haben wollen", sagt auch Jochen Hurlebaus, Head of Innovation and IP Management bei Roche Diagnostics. Vor allem das globale Accelerator-Netzwerk von Plug and Play sei natürlich interessant, erklärt Hurlebaus, auch "um näher an die Start-ups in Asien zu kommen".

Zudem hatte der Accelerator aus dem Sillicon Valley, der sich in München unter anderem 2017 bereits mit seinem Vertical InsurTech für junge Unternehmen und Gründer aus der Versicherungsbranche ansiedelte, nach der Pilotphase von Startup Creasphere entschieden, sein europäisches Headquarter nach München zu verlegen. "München ist ganz einfach einer der attraktivsten Standorte für B2B-Segmente", erklärt Anastasia Tolmatsch, Program Director Startup Creasphere, Plug and Play Tech Center. Starke Industrie und exzellente Forschung, eine renommierte IT-Branche, eine agile Start-up-Szene – der Accelerator hat schon öfter ein Händchen für den richtigen Zeitpunkt und den passenden Ort bewiesen. Roche, das in Penzberg nahe der bayerischen Landeshauptstadt einen seiner größten Forschungsstandorte mit rund 6000 Mitarbeitern hat, kommt das natürlich entgegen.

Anastasia Tolmatsch, Program Director Startup Creasphere, Plug and Play Tech Center.

Wie bei anderen Accelerator-Programmen bietet auch Startup Creasphere den Teilnehmern Büroflächen, Mentoren-Sessions und ein Netzwerk. Das Besondere an diesem Programm: Die Start-ups werden von Anfang an den Bedürfnissen der einzelnen Fachbereiche von Roche entsprechend ausgewählt und arbeiten bereits sehr lösungsorientiert. "Unser Ansatz ist es, die Start-ups mit externen Experten und gleichzeitig mit vielen internen Roche-Kollegen zusammenzubringen. Während des dreimonatigen Programms kommen sie mit 100 bis 200 Roche-Mitarbeitenden in Kontakt", sagt Anastasia Tolmatsch. "Was uns bei der Zusammenarbeit mit dem Roche-Team in der Anfangsphase enorm beeindruckt hat, ist ihr Engagement, mit Start-ups auf einer Augenhöhe umzugehen und die für die Durchführung von Pilotprojekten notwendigen Ressourcen bereitzustellen."

Das sind die Lösungen der Start-ups:

Cosinuss (München, gegründet 2011) hat ein In-Ear-Wearable entwickelt, das im Gehörgang mehrere Vitalparameter wie Herzfrequenz, Körperkerntemperatur, Atemfrequenz und Aktivität medizinisch genau misst. Das Gerät ist eine Alternative zum Brustgurt und vor allem bei Leistungssportlern beliebt, kann aber im Prinzip in allen Lebensbereichen eingesetzt werden.

DX-Labtrack (München, gegründet 2018) digitalisiert die Lieferkette der menschlichen Blutprobe zwischen Entnahme und Laboranalyse, indem es alle relevanten qualitätsbeeinflussenden Faktoren in Echtzeit elektronisch überwacht. Die Daten für jede Probe werden zu einem digitalen Fingerabdruck der menschlichen Proben zusammengefasst, der dann automatisch in bestehende Laborinformationsmanagementsysteme integriert wird.

Infermedica (Warschau, gegründet 2012) ist ein Gesundheits-KI-Unternehmen, das den Diagnoseprozess mithilfe der fortschrittlichsten Reasoning-Technologie für medizinische Diagnose verbessert. Das Ziel ist es, die Zugänglichkeit der Gesundheitsversorgung zu verbessern, die Rate der Fehldiagnosen zu minimieren und die Kosten für eine qualitativ hochwertige Versorgung zu senken. Das Kernprodukt ist eine Triage-Plattform für Patienten, die mithilfe von KI ein erstes, diagnostisches Gespräch durchführt.

Reflekt (München, gegründet 2012) ermöglicht es jedem Unternehmen und jeder Branche, eigene interne Augmented- und Mixed-Reality-Anwendungen zu erstellen, und bietet darüber hinaus State-of-the-Art Remote-Support mit intelligentem Routing. 

Die von Smarcardia (Lausanne, gegründet 2013) entwickelte, medizinisch zertifizierte Sensortechnologie ermöglicht es, kontinuierlich Blutdruck, EKG, Sauerstoffsättigung, Atmung und Temperatur mit einem einzigen Pflaster zu messen. Die aus über 15 laufenden klinischen Studien (mit über 2500 Patienten) entwickelten maschinellen Lernalgorithmen liefern klinische Erkenntnisse für mehrere Krankheiten.

Synthaces (London, gegründet 2011) entwickelte das Betriebssystem Antha. Es verbreitet biologische Informationen, indem es Laborgeräte, Protokolle und Prozesse miteinander verbindet. Ziel ist es, die Produktivität aller Biowissenschaften zu erhöhen, um die daraus gewonnenen Erkenntnisse besser für die die Bereiche Gesundheit, Ernährung, Energie nutzen zu können.

Veta Health (New York, gegründet 2016) unterstützt die Transformation mit Patientenmanagement-Tools im ambulanten Bereich. Die automatisierten Health-Solutions ermöglichen es Patienten, sich selbst zu managen, und sollen die Transparenz erhöhen.

Die nächste Programmrunde startet am 14. März, bewerben können sich Start-ups über die Plattform von Plug and Play.

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